Sehnsucht Fernweh

Nachgefragt: Meine Reisehighlights aus Australien

Australien Highlights

Australien Highlights

Die Frage nach den schönsten Momenten im Ausland kommt meist direkt nach der Frage, wie ich mich jetzt fühle wieder zu Hause zu sein und meist sind die Fragenden ziemlich überrascht, wenn ich dann sage, dass es nicht nur kein einzelnes Highlight gab, sondern auch, wenn ich – sobald ich mich für einige Augenblicke des Reisens entscheide – keine Super-Monumente oder Wahnsinns-Landschaften nenne, sondern eher kleine, für die Allgemeinheit unbedeutende, Momente. Meist sind es bei mir jedoch genau diese Kleinigkeiten, die die eigentliche Atmosphäre einer Reise ausmachen, die Stimmung beeinflussen und mir besonders lange in Erinnerung bleiben. Dies kann ein ganz normaler Restaurant- oder Kinobesuch sein, ein ganz alttäglicher Einkauf oder auch einfach nur ein bestimmter Ort, an dem man die lustigste Unterhaltung seit langem hatte.

Natürlich gab es diese Momente bei mir auch in Australien. Ich versuche euch einmal nahezubringen, warum die touristischen Höhepunkte nicht immer deckungsgleich mit meinen persönlichen Höhepunkten sind.

Ciderprobe in Tasmanien

Ciderprobe auf Tasmanien

Ciderprobe auf Tasmanien

„Wow eine Ciderprobe“ mag der ein- oder andere von euch nun denken “ wie spektakulär…“. Und nein, die Ciderprobe an sich war nicht spektakulär, hat aber für einen dieser unvergesslichen Momente in Australien gesorgt. Warum? Weil es einfach unbeschreiblich war, am ersten Tag unserer Mietwagen Rundreise auf Tasmanien durch die Apfelplantagen zu fahren und in einer urigen Kneipe eine kostenlose Ciderprobe zu machen und parallel mit hausgemachten Scones verwöhnt zu werden. Es war einer dieser Momente, der mir die australische Gastfreundlichkeit näher gebracht hat, einer dieser Momente, in dem man sich in einem fremden Land heimisch fühlt (obwohl man gerade erst angekommen ist), einer dieser Momente, in der man einfach den Augenblick genießt und sich freut, genau zu dieser Zeit an diesem Ort Welt zu sein.

Picknick in Mission Beach

Nichts geht über ein Picknick am Strand

Nichts geht über ein Picknick am Strand

Ähnlich wie mit der Ciderprobe verhielt es sich auch mit einem Picknick in Mission Beach, an der Nordostküste Australiens. Ursprünglich auf der Suche nach einem gemütlichen Café fielen mir und meiner Freundin auf einmal zwei Baumstammstühle und ein alter Baumstammtisch direkt am Strand ins Auge und wir verliebten uns auf Anhieb in diesen Platz. Das erste Mal entlang der Westküste hatte der Strand einen tropischen Touch, Palmenwedel schwangen im Wind und es war perfekte T-Shirt Temperatur. Anstelle uns also wie geplant in ein Café mit frisch zubereiteten, perfekten Heißgetränken zu setzen, kauften wir im nächsten Supermarkt Baguette und Dips der Eigenmarke, eine Flasche Ginger-Cola und ein reduziertes Bananenbrot und setzten uns auf wackelige „Holzstühle“. Und dennoch hätte dieser Augenblick nicht perfekter sein können. Die Sonne scheint vom Himmel, man sitzt an einem verlassenen Strand und über einem weht die australische Flagge. Es war einer dieser Momente, an dem ich realisiert habe „Wow, ich habe es geschafft, ich bin in Australien“ – eine Erkenntnis, die zu vielen anderen Zeitpunkten in den Hintergrund gerückt ist, da man die neue Umgebung schnell als „selbstverständlich“ abstempelt.

Skydiven in Cairns

Skydive Cairns

Skydive Cairns

Dieses Highlight ist wohl einer der wenigen Höhepunkte, den man auch in Touristenführern als Must-Do finden würde. Und dennoch findet es nicht deshalb den Weg in diese Liste, sondern aus einem anderen Grund: Der Überwindung, die ein Sprung aus einem Flugzeug (mich) kostet. Jeder Mensch sucht sich auch auf Reisen neue Herausforderungen, um gewisse Ziele zu erreichen. Dies können ganz einfache Dinge sein, wie das erste Mal in einer fremden Sprache einen Kaffee bestellen, körperliche Anstrengungen wie die Besteigung eines eigentlich viel zu hohen Berges oder in meinem Fall eben der Sprung/Fall aus 4572 Metern. Ich glaube ich habe nicht wenige Menschen mit der Frage „Warum mache ich das…?“ genervt und mich nicht selten selber gefragt, warum ich horrende Summen in solch ein Abenteuer investiere, wo ich doch genauso gut für das selbe Geld gemütlich einen mehrtägigen Bootstrip hätte machen können. Aber das wäre nicht so eine Überwindung gewesen wie der Sprung und von der emotionalen Achterbahnfahrt, die ich sowohl vor, während als auch nach dem Sprung erlebte („Hilfeeee – Ich will nicht – Oh mein Gott – Ich habe Panik – Wie dumm bin ich eigentlich? – Hoffentlich geht der Fallschirm auf – Warum fliegen wir immer höher? – Waaahnsinnn gleich geht es los! – Mega, ich bin Superwoman (ich kann aus einem Flugzeug springen) – Geil, Geil, Geiiilllll!!!! – Ich mache das wirklich – Der freie Fall war sooooo gut – Zum Glück habe ich keine niedrigere Höhe gewählt – Ich will nochmaaalll …..“) werde ich denke ich noch eine ganze Weile zehren. Grenzen sind dazu da überwunden zu werden – und der Sprung war einer dieser Momente, in denen man sich freut, dass man es einfach nur gewagt hat :D.

Silvester in Sydney

Happy New Year from Sydney

Happy New Year from Sydney

Ein weiteres Highlight, welches wohl auf vielen Top-Listen zu finden ist, ist das Bestaunen des Neujahrsfeuerwerks in Sydney. Neben der Tatsache, dass das Feuerwerk an sich wirklich atemberaubend ist, hatte dieser Moment bei mir und meiner Freundin noch eine ganz besondere Bedeutung: Er war der Startpunkt der Planung unserer Reise nach Australien. „Einmal das Feuerwerk in Sydney sehen“ dachten wir uns vor einigen Jahren an Silvester, als wir das Spektakel nachmittags im Fernsehen verfolgten. Es ist einfach immer wieder unglaublich schön zu sehen, wie sich Träume und Wünsche verwirklichen können und wie unerreichbar erscheinendes doch erreicht werden kann. Wo ein Wille ist, ist eben doch meist irgendwo ein Weg.

Das X-base Hostel auf Magnetic Island

X-base Backpackers Magnetic Island

X-base Backpackers Magnetic Island

Wieder so ein Höhepunkt, den wahrscheinlich die wenigsten Menschen wirklich nachvollziehen können. Es geht hier schließlich um ein normales Hostel inklusiver seiner Mehrbettzimmer, Stockbetten und Gemeinschaftsbäder. Nichts desto trotz gehörte die Zeit in dem Hostel zu den schönsten Erinnerungen an meine Reise. Alleine aus dem Grund, dass wir hier Leute kennen lernen durften, die uns auch auf unserer weiteren Reise begleiteten und mit denen wir viele tolle Erfahrungen und Erlebnisse teilen konnten. Es war einer dieser Momente, in dem mir bewusst wurde, dass ein Ort noch so normal sein kann; wenn die richtigen Menschen um einen herum sind, dann wird er zu einem ganz Besonderen. Zugegeben – die Lage direkt am Meer, strahlender Sonnenschein, die leckersten Calamari meines Lebens (oder Zweitleckersten;)) und eine Umgebung mit freilebenden Wallabies haben auch zu dem Aufenthalt beigetragen, aber es waren vor allem die Begegnungen mit wunderbaren Menschen:).

Das Haus unserer Arbeitgeber am Mount Nebo

Volunteering Mount Nebo

Volunteering Mount Nebo

Wieder so ein komisches Highlight … Ein Haus. Jedoch nicht irgendein Haus, sondern eines der schönsten und gemütlichsten Häuser, das ich in meinem Leben gesehen habe. Super einladend, farbenfroh und freundlich und vor allem: selbst gebaut. Diese Tatsache hat mich sehr beeindruckt und hat mir wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, sich selbst zu finden und für eine Träume zu arbeiten. Sehr inspirierend. Und wie gesagt: zudem noch unglaublich einladend, immer nach frischen Kuchen und Kaffee duftend und bewohnt von zwei Menschen, die mir wieder einmal gezeigt haben, was Gastfreundschaft bedeutet.

Eine Nacht am Freycinet National Park

Die Wineglass Bay

Die Wineglass Bay

Eigentlich eine Nacht, die wir direkt nach Erwachen am nächsten Morgen, oder besser mitten in der Nacht, wahrscheinlich am liebsten gleich wieder vergessen würde. Nach einer Nacht bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und den guten zehn Dollar Schlafsäcken mit einem Komfortbereich bis +17 Grad Celsius an der Bay of Fores, entschieden wir uns dazu, beim Freycinet National PArk eine Nacht im Auto zu schlafen. Da sich die Rückbank komplett umklappen ließ und wir das Auto vor dem ins Bett gehen noch eine Weile mit vollem Gebläse warm werden lassen konnten, hielten wir zunächst ziemlich viel von dieser Idee – zumal sie legal war :). Nachts jedoch stellten wir dann auch fest, dass es entweder zu stickig oder zu kalt war und man sich bei einer Länge von 1,50 Metern auch nicht gaaanz so bequem positionieren konnte wie zunächst angenommen…Sprich, ich lag nahezu die ganze Nacht wach und habe darauf gehofft, dass der nächste Morgen anbricht und ich mir ein warmes Getränk kaufen kann;). Kurzum: Die Nacht an sich war erst einmal kein Highlight. Allerdings war die Stimmung dennoch sehr besonders. Die erste Nacht in einem Auto schlafen, quasi Wildcampen und auf Tasmanien am Nationalpark in mitten der Natur übernachten war doch spannend und auch an das abendliche Runden drehen, um das Auto zu wärmen oder den nächtlichen „Bush-Toilettengang“ erinnere ich mich jetzt gerne zurücck. Es sind eben genau solche Momente, die das Reisen ausmachen und ein Gefühl von Unbeschwertheit hervorrufen, in dem man einige Dinge macht, die zu Hause entweder nicht möglich sind, oder einfach nicht in Angriff genommen werden.

Ich könnte diese Liste noch ein ganzes Stück weiterführen und auf viele weitere „Magic Moments“ wie Weihnachten, die Lagune in Brisbane, den Drum Circle in Byron Bay oder den Kinobesuchs des Filmes „Bridget Jones Baby“ eingehen, doch ich glaube, dass diese Einblicke bereits ausreichen, um einen Eindruck dessen zu bekommen, was ich ausdrücken möchte:

Highlights werden erst durch das gewisse Etwas zu persönlichen Höhepunkten und nicht etwa durch niedergeschriebe allgemeingültige Fakten 🙂 . Life is what you make it!

 

 

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