Sehnsucht Fernweh

Home Sweet Home: Die Herausforderung Rückkehr und warum es doch schön ist, nach dem Reisen wieder nach Hause zu kommen

Tschüss Ausland - Hallo Heimat

Tschüss Ausland – Hallo Heimat

Nicht selten wurde ich in den letzten Wochen sowohl von Mitreisenden als auch Freunden aus der Heimat gefragt, ob ich mich denn inzwischen auch freuen würde, wieder zurück zu fliegen. Und nicht selten konnte ich diese Frage nicht eindeutig beantworten. Bei mir ist es nämlich meist so, dass ich mich vor einer Auslandsreise ausschließlich auf die bevorstehende Zeit freue und mögliche Gefahren oder Konflikte etc. einfach ausblende. Vor der Rückreise hingegen ist dies oftmals anders; hier treffen Hoffnungen und Ängste, Vorfreude und Zweifel aufeinander und führen zu gemischten Gefühlen hinsichtlich der bevorstehenden Rückkehr. Wie werden Freunde und Familie auf mich reagieren? Haben sie sich während meines Auslands von mir entfremdet? Brauchen sie mich überhaupt noch und passe ich noch in deren Leben? Wird alles so sein wie vorher? Möchte ich überhaupt, dass alles so ist wie vorher? Was passiert, wenn ich mich nicht wieder einleben kann? Wie wird die Zukunft zurück in Deutschland überhaupt aussehen? Diese und weitere Fragen schwirren mir während meiner letzten Tage im Ausland jedes Mal aufs Neue permanent im Kopf herum. Denn es ist zugegebener Maßen doch auch meist so, dass man während seiner Zeit im Ausland alle Probleme und Herausforderungen, die einen im „richtigen Leben“ erwarten einfach von sich fernhalten oder bis zur Rückkehr aufschieben kann und somit in einer kleinen Paradies-Wunderwelt-Blase lebt, die zurück zu Hause sehr schnell platzen kann.

Nichts desto trotz ist es bei mir auch definitiv so, dass ich mich darauf freue meine Familie und Freunde wieder in die Arme zu schließen, meist bereits bevor ich überhaupt Deutschen Boden verlassen habe. Dies geht übrigens den meisten Reisenden so, inklusiver derjenigen, die sich bewusst für ein Leben als kompletter digitaler Nomade entschieden haben. Neben diesem offensichtlichen Grund gibt es jedoch auch einige Kleinigkeiten über die ich mich momentan tagtäglich freuen kann 🙂 . Auch wenn einige dieser Punkte besonders für Nicht-Reisende wahrscheinlich affig oder komisch klingen, so möchte ich euch gerne an meinen Freuden teilhaben lassen 😉 .

Die Rückreise beginnt

Die Rückreise beginnt

Bezahlbare Lebensmittel

Nachdem ich in Australien jedes Mal im Supermarkt direkt nach „Quick Sale“ Angeboten Ausschau gehalten habe, die es mir (zugegebener Maßen nicht selten) ermöglichten, Fleisch, Käse oder Gemüse/Obst zu kaufen, ist es jetzt wieder unglaublich schön, einfach das einkaufen zu gehen auf das man wirklich Hunger hat (und nicht das, was gerade im Angebot ist). Natürlich hätte ich dies theoretisch auch in Australien machen können, aber wenn ein Kilo Paprika auf einmal 13 AUD (knapp 10 Euro) kostet oder man bei 100 Gramm Kochschinken ganz leicht mit sechs bis sieben AUD (knapp fünf Euro) dabei ist, dann überlegt man sich den Kauf vielleicht lieber doppelt 😉 .

Ein eigenes Bett (und Zimmer)

Ja, ich mag Hostels und die damit verbundene Tatsache auch im Ausland niemals allein zu sein (und ich glaube auch, dass ich eben diesen Charakter schon relativ bald wieder vermissen werde), doch momentan gibt es für mich nichts schöneres als ein sauberes und breites eigenes Bett mit richtiger Bettwäsche und einem Kissen, von dem man nicht am nächsten Morgen mit Nacken- oder Rückenschmerzen aufwacht. Alleine das Gefühl, dass es ruhig im Zimmer ist, man nicht nachts von unanständigen Geräuschen aus dem Nebenbett geweckt wird und man sich nicht im Dunkeln einer nächtlichen Kletterpartie stellen muss, um aus dem oberen Etagenbett ohne Leiter aufs Klo zu sehen, verursacht bei mir ganz schnell ein Hochgefühl. Dann noch die Tatsache, dass man morgens gerne noch ein wenig im Bettchen liegenbleibt und sich noch einmal wohlig umdreht anstelle manchmal einfach froh zu sein, dass die Nacht vorbei ist oder man nächtliche Besäufnisse andere Gäste überlebt hat…ja, ich liebe mein eigenes Zimmer und mein eigenes Bett.

Ein sauberes Badezimmer

Direkt nach meinem Bett habe ich glaube ich die erste Dusche am meisten genossen. Zugegeben – wahrscheinlich hätte ich nach dem langen Flug jede Dusche genossen, aber die eigene Dusche von zu Hause hat dies noch einmal getoppt. Stellt euch mal vor, die Dusche verfügt über warmes bzw., bei mir heißes Wasser und übt genügend Druck aus, dass meine Haare bereits nach einer Minute und nicht erst nach zehn Minuten durchnässt sind – der Wahnsinn. Zusätzlich muss ich mir nicht mehr strategisch überlegen, wie ich meine mitgebrachten Klamotten am Besten positioniere, ohne dass diese beim Duschen nass werden und wo ich mich am besten auf 0,5m² nach dem Duschen eincremen kann ohne auf die langen, ekligen Haare auf dem Boden zu treten. Ihr seht schon – es sind die kleinen Dinge, die mich momentan glücklich machen 😉 .

TV am Bett

Ein kleines, aber feines Detail, welches ich gerade zu schätzen lerne ist auch der Fernseher nahe am Bett. Abends schnell noch eine Serie, einen Film oder Trash-TV im Schlafanzug gucken und hinterher gemütlich einschlafen ist jetzt wieder möglich. Vorher mussten da schon einige Faktoren stimmen: Der Laptop musste geladen sein, oder man musste zu den glücklichen 50% des Zimmers gehören, die sich für die Nacht eine Steckdose sichern konnten, die Kopfhörer mussten gerade auffindbar sein, um keinen der Zimmergenossen zu stören, das Internet musste funktionieren (auch auf dem Zimmer) und dann noch schnell genug zum Streamen sein UND das Zimmer sollte auch noch so gemütlich sein, dass man gerne im Bett fernsieht – eine äußerlich seltene Kombination.

Ein sauberer Kühlschrank

Juhuuu!!! Die Zeiten der mit Name, Zimmernummer und Abreisetag beschrifteten Plastiktüten, in denen man mit Glück all seine Lebensmittel verstaut bekommt und morgens nach zehn Minuten suchen im Dschungel der Millionen gleich aussehenden Plastiktüten gefunden hat, sind vorbei :D! Ebenso der Vergangenheit angehörig ist das enttäuschende Gefühl wenn man sich auf die zweite Hälfte seine Luxus-Pizza vom Vortag oder den bereits vorbereiteten Salat mit geilem Schafskäse oder gar Bacon freut und morgens desillusioniert feststellen muss, dass man nicht die einzige Person war, die Lust auf die Speisen hatte und jemand anders sich leider schon vorher an der eigenen Plastiktüte bedient hat….aber naja (ungewolltes) sharing ist ja bekanntlich sharing. Nichts desto trotz bin ich sehr dankbar, dass ich meine Einkäufe wieder sichtbar und ordentlich im Kühlschrank sortieren kann, diese am nächsten Morgen auch noch unverändert dastehen und ich nicht täglich den Boden der Plastiktüte auswischen muss, da Joghurtbecher dem Druck im Kühlschrank leider nicht standgehalten haben.  Aber hey, AUF Reisen kamen mir diese Probleme andererseits wieder miniklein vor, da wir die meiste Zeit immerhin einen Kühlschrank nutzen konnten, wiederum ein kleiner Luxus, der es uns bei 40 Grad Celsius erst ermöglichte, dienen Großteil unserer Lebensmittel einzukaufen, ohne dass diese nach fünf Minuten schlecht waren – die Ansprüche verändern sich scheinbar 🙂 .

Deutsches Frühstück und richtiger Kaffee

Toast und Butter, Toast und Marmelade, Toast und Veggiemite, Toast und mit Glück Honig – diese grandiose morgendliche Essensauswahl geht einem bereits nach einigen Wochen auf den Keks, von Monaten ganz zu schweigen. Ebenso verhält es sich mit der morgendlichen Auswahl an wässrigem Instantkaffee oder meist billigem Schwarzen Tee, den man ohne Zucker nur schwer genießen kann. Während des Reisens hat mich diese Tatsache nur unterschwellig gestört, denn immerhin ist diese kulinarische Rafinesset in den meisten Hostels im Preis inkludiert, sodass man das gesparte Geld hinterher in einen gemütlichen Café (und davon gibt es in Australien viele – manche sogar mit WLAN 😉 ) wieder ausgeben kann. Nichts desto trotz ist heute Sonntag und ich kann euch das Gefühl nicht beschrieben, wie es sich für mich anfühlt in ein frisches Brötchen mit leckerem Manchegokäse und Serranoschinken zu beißen, bevor mein Bedarf nach Zucker bei einem Franzbrötchen gestillt wird  – Ich denke jeder Deutsche, der einmal längere Zeit im Ausland gelebt hat, kennt dieses Gefühl zu gut 🙂 .

Ein fester Kleiderschrank

So sehr wie ich der Meinung bin, dass ich aus meinen Kleiderschrank eigentlich mindestens die Hälfte aller Klamotten nicht wirklich benötige und so sehr wie ich es genieße, jedes Mal beim Reisen festzustellen, wie gut es sich anfühlt, zu wissen, dass maximal acht Kilo Klamotten vollkommen ausreichend sind im Leben, so sehr freue ich mich jedoch auch jetzt darüber, nicht jeden Tag meine Klamotten in meinen Backpack stopfen zu müssen und täglich alles immer ein- und ausräumen zu müssen (meist dabei ein T-Shirt, eine Hose oder ein Handtuch zu vergessen), sondern meine Kleidung sauber und gut riechend im Schrank zu wissen. Das war ein langer Satz mit vielen Nebensätzen, jedoch nur einer Botschaft: Danke Kleiderschrank, dass du wieder da bist.

Auf Autopilot schalten zu können

Ein absolut wichtiger Punkt, den viele Menschen beim Reisen unterschätzen ist die permanente Reizüberflutung. Jeder Ort ist neu und funktioniert anders, jedes Land riecht anders und hat seine ganz eigenen Regeln und als Reisender hat man sich täglich diesen Herausforderungen zu stellen. Wie komme ich von A nach B? Gibt es öffentliche Verkehrsmittel? Auf was muss ich achten? Welche Regeln gibt es? Kann ich in der Öffentlichkeit Alkohol trinken? Darf ich in diesem Land Kaugummi kauen? Darf ich Menschen anlächeln oder ihnen ins Gesicht schauen? Haben Supermärkte auch am Wochenende auf? Zählt mein Führerschein als Ausweisdokument? Was wollen wir uns heute angucken? Wo wollen wir morgen hin? Welches Hostel wollen wir reservieren? etc. etc. etc. Alleine diese Fragen verbrauchen schon ziemlich Energie. Hinzu kommen die eigentlichen Eindrücke unvorstellbar schöner Landschaften, imposanter Gebäude, spannender Ausflüge, kulinarischer und musikalischer Neuheiten, fremder Sprachen, unbekannter Leute und vieles mehr. Genau dieses ganze „Neue“ ist es, was das Reisen für mich so unglaublich spannend und aufregend macht und was ich im Ausland erleben möchte, jedoch ist es auch schön, wieder zu Hause zu sein und zu wissen wie der Hase läuft. Einfach ab und an auf Autopilot schalten zu können hat nämlich auch seine Vorteile.

Dies waren meine persönlichen Gedanken zum Thema „Home Sweet Home“ – und auch wenn es momentan schön ist, wieder zu Hause zu sein, so würde es bald wahrscheinlich auch wieder schön sein, hier gerade nicht zu sein 😉 .

Ein Kommentar zu “Home Sweet Home: Die Herausforderung Rückkehr und warum es doch schön ist, nach dem Reisen wieder nach Hause zu kommen

  1. Pingback: Nachgefragt: Meine Reisehighlights aus Australien – Sehnsucht Fernweh

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.