Sehnsucht Fernweh

East Coast Discover – Eine Woche auf Tasmanien

Climbing the Bay of Fires

Climbing the Bay of Fires

„Tasmania basically is not Australia. It just works differently here“.

Mit diesen Worten wurden meine Freundin und ich von unseren Hosts in Hobart empfangen. Nach einer Woche auf der Insel muss ich sagen: Das stimmt. Während uns Deutschen die Menschen auf dem Australischen Festland bereits ungemein locker und entspannt vorkommen, so wird die „No Worries“-Einstellung auf Tasmanien noch um ein vielfaches stärker ausgelebt. Bereits kurz nach unserer Ankunft erlebten wir hierfür ein perfektes Beispiel: Die Autovermietung.  Wie bei vielen Autovermietungen üblich,  wurde auch in unserem Fall ein bestimmter Geldbetrag der Kreditkarte für eventuelle Unfälle und verursachte Schäden als Kaution „geblockt“ – zumindest war dies der Plan. Da wir beide jedoch das Kleingedruckte des Mietvertrages nicht genau gelesen haben, welches besagt, dass ein Betrag von 1.000 AUD aus besagten Gründen „geblockt“ wird und da wir beide ein wöchentliches Kreditkartenlimit von weniger als  1.000 AUD auf unseren Kreditkarten haben, gestaltete sich dieses Unterfangen als etwas komplizierter. In Deutschland wäre der Fall vielerorts wahrscheinlich eindeutig gewesen: Keine finanzielle Absicherung – kein Auto. In Australien sah das etwas anders aus. Nach einigen verzweifelten Blicken hat uns die Angestellte der Mietwagenfirma lächelnd angesehen und gesagt, dass sie einfach „vergisst“ eine Null in ihr System einzugeben, sodass wir statt 1.000 AUD lediglich 100 AUD auf unserer Kreditkarte vorweisen mussten – und das haben wir dann auch ohne Probleme geschafft und konnten unser Auto entgegen nehmen.

Die Reise beginnt

Die Reise beginnt

Nachdem diese Hürde genommen war, ging es schon bald an die Reiseplanung. Hierbei sei vorab zu sagen, dass Tasmanien wesentlich größer ist, als man es zunächst annimmt. Auch wenn die Insel im Vergleich zum Rest von Australien eher mickrig aussieht, so ist sie jedoch nahezu halb so groß wie Frankreich und definitiv nicht innerhalb einer Woche zu erkunden.

Nach einigen Gesprächen mit Einheimischen, die uns davon abgeraten haben unseren ursprünglichen Plan (von Hobart aus über den Freycinet Nationalpark und die Bay of Fires bis nach Launcester zu fahren, um von da aus die Cradle Mountains zu sehen ehe es nach Hobart zurückgeht) in die Tat umzusetzen, da dieser viel zu viel Fahren im Vergleich zum Erleben beinhaltet, haben wir uns dazu entschieden, uns hauptsächlich an der Ostküste aufzuhalten. Eine Entscheidung, die rückblickend betrachtet sicherlich eine schlaue Lösung war. Bestimmt ist der Cradle Mountain Nationalpark unglaublich spektakulär, allerdings lohnt sich ein Aufenthalt hier scheinbar erst ab mindestens drei Nächten, da man den Park so auf einer Mehrtagestour wirklich kennen lernen kann. Kürzere Aufenthalte hingegen sollen nicht so spektakulär sein und die doch recht lange Anreise nicht rechtfertigen – allerdings beruhen diese Aussagen lediglich auf die Meinung Dritter.

Natur Pur auf Tasmanien

Natur Pur auf Tasmanien

Hier also meine/unsere Route von sieben Tagen mit dem Mietwagen:

Von Hobart aus ging es zunächst zum Tahune Airwalk und in den Hartz Mountain Nationalpark, welche beide zu empfehlen sind. Während sich am Skywalks des Tahune Parks jedoch hauptsächlich Familien befinden, um die spektakulären Ausblicke aus luftiger Höhe zu betrachten (Preis hierfür zirka 25 AUD), so wird der Hartz Mountain Nationalpark hauptsächlich von Wanderfreunden genutzt. Im Hartz Mountain Park kann man sowohl den gleichnamigen Berg besteigen (Dauer etwa 4-5 Stunden), oder aber leichtere und kürzere Rundwege zu verschiedenen Seen unternehmen. Da wir nach dem Aufenthalt im Tahune Park, der neben dem Skywalk auch noch einen schönen Rundweg über verschiedene Hängebrücken beinhaltet, nur noch begrenzt Zeit hatten, haben wir uns für einen 60-minütigen Rundweg zum Lake Osborne entschieden. Der Walk hierhin ist nicht besonders anstrengend oder herausfordernd, aber es bieten sich schön ausblicke über die Landschaft des Hochlandes. Mit mehr Zeit würde ich jedoch eine Gipfelbesteigung vorziehen.

Der Wishing Tree am Tahune Airwalk - triffst du den Stamm?

Der Wishing Tree am Tahune Airwalk – triffst du den Stamm?

Tahune Airwalk

Tahune Airwalk

On the way to Lake Osborne - Hartz Mountain

On the way to Lake Osborne – Hartz Mountain

Am zweiten Tag  fuhren wir an der Ostküste entlang bis zur Bay of Fires. Der Strand steht in vielen Reiseführern beschrieben und ist wegen den roten Mustern auf seinen Felsen bekannt. Der Strand an sich ist wirklich sehr schön, jedoch muss an sich im Klaren darüber sein, dass man gute vier Stunden fährt, um einen Strand zu sehen und anschließend am nächsten Tag wieder rund zwei Stunden in die Richtung zu fahren, aus der man gekommen ist… In der Umgebung vom Bay of Fires gibt es allerdings einige kostenlose Zeltplätze (einige ohne Waser und Toiletten), einige direkt am Meer gelegen mit Blick auf schönen Sonnenauf- und Untergänge. Im Allgemeinen denke ich, dass sich dieser Abstecher durchaus lohnt, besonders bei gutem Wetter, dass es bei Regen jedoch sinniger wäre, gegebenenfalls anstelle des Bay of Fires einen Tag in Hobart zu verbringen, an dem man sich z.B. das MONA Museum ansehen kann.

Eindrücke der Bay of Fires

Eindrücke der Bay of Fires

Die Bay of Fires beim Sonnenuntergang am Campingplatz

Die Bay of Fires beim Sonnenuntergang am Campingplatz

Anschließend ging es in den Freycinet Nationalpark – meinem persönlichen Favoriten. Hier bietet es sich an, einige Stunden mit dem Auto durch die Gegend zu fahren und die kürzeren Wanderwege z.B. zum Leuchtturm oder der Honeymoon Bay zu unternehmen. Kostenlos geparkt und im Auto/Van geschlafen werden darf übrigens direkt vor dem Visitor Centre des Nationalparks. Außerdem ist eine kleine Wanderung zum Wineglassbay-Lookout empfehlenswert, welche im Anschluss mit einem Rundweg runter an den Strand des Winegalss Bays und weiter zum Hazards Bay verbunden werden kann (Gesamtdauer vier bis fünf Stunden). Am Wineglassbay kann zudem ebenfalls – zumindest in der Nebensaison – kostenlos übernachtet werden. Für die Abenteuerlustigen bietet auch der Wanderweg zum Mount Amos einigas an grandiosen Ausblicken auf die Umgebung. Allerdings ist der Weg sehr schwer zu finden (wir haben ihm nicht folgen können) und nur mit kleinen Klettereinlagen zu bewältigen – bei Nässe und Glätte nicht zu empfehlen;). Wer vier bis fünf Tage im Feycinet Park verbringen möchte, der kann zudem eine lange Wanderung durch den „gesamten“ Park unternehmen; Wenn man jedoch wie ich nur eine Woche insgesamt habe, so würde ich es bei einer Nacht belassen. Übrigens befinden sich überall im Park verteilt kostenlose Grillplätze, die gerne genutzt werden können um ein abendliches BBQ vorzubereiten oder einen morgendlichen Tee zu kochen :).

Freycinet Nationalpark

Freycinet Nationalpark

Climbing Mount Amos im Freycinet Nationalpark

Climbing Mount Amos im Freycinet Nationalpark

Blick vom Mount Amos auf den Freycinet Park

Blick vom Mount Amos auf den Freycinet Park

Die Wineglass Bay

Die Wineglass Bay

Wineglass Bay im Freycinet Nationalpark

Wineglass Bay im Freycinet Nationalpark

Auf den Rat einer Bekannten hin, haben wir nach dem Freycinet Nationalpark unsere Reise zur Maria Island fortgesetzt. Diese kleine Insel ist mit der Fähre in zirka 30 Minuten zu erreichen (zu beachten sei, dass die Fähe in der Nebensaison nicht täglich fährt und dies vorher nachgefragt werden muss – Telefonnummern hierfür sind online leicht zu finden). Die Insel steht eher nicht auf der Liste von Reisenden, sollte jedoch besonders bei Tierliebhabern in Betracht gezogen werden. Landschaftlich gibt es bestimmt reizvollere Gegenden, jedoch kommt man dem tasmanischen Wildlife auf dieser Insel am Nächsten. Mit etwas Glück können hier neben Kängurus und Wallabies auch noch tasmanische Teufel entdeckt werden. Übernachtet werden kann direkt im Hauptort der Insel (Zelt oder ein ehemaliges Gefängnis, welches jetzt ein Guest House beherbergt) oder aber am „Neck“, der schmalsten Stelle der Insel. Die Touristeninformation gibt hierzu gerne Auskunft, genauso wie über die möglichen Rundgänge, die hier unternommen werden können. Da es auf der Insel keinen Supermarkt gibt, müssen Getränke und Essen für die Dauer des Aufenthaltes mitgebracht werden.

Maria Island - Wildlife Pur

Maria Island – Wildlife Pur

Känguru-Alarm

Känguru-Alarm

Das Visitor Centre auf Maria Island

Das Visitor Centre auf Maria Island

Die letzten Tage kann man entweder in Hobart oder aber auf der Tasmanischen Halbinsel verbringen. In Hobart erfolgt sich das Kunstmuseum MONA großer Bedeutung. Auch der botanische Garten der Stadt und das Stadtzentrum rund um den Hafen können erkundet werden. Auf der tasmanischen Halbinsel wurde uns insbesondere ein Wanderweg im Süden zum „Shepherds Bluff“ nahegelegt. Das Shepherds Bluff ist ein Ort, an dem man bei (relativ starkem) Wind zahlreiche Surfer auf einer der größten Wellen der Welt beobachten kann. Im Visitor Center in Port Arthur bekommt man hierzu zahlreiche Informationen sowie Tipps und Wanderkarten. Da der Rundweg bis „zur Welle“ jedoch vier Stunden dauert, haben wir diesen leider nichtmehr unternommen, sondern haben uns kleinere Attraktionen wie das „Blowhole“ oder „The Arch“ angesehen. Am Parkplatz direkt neben dem Blowhole gibt es zudem sehr leckere Pommes oder Fish and Chips zu unschlagbaren Preisen (Riesenportionen!). Eine Mahlzeit an dem kleinen Foodtruck sollte auf keinen Fall fehlen.

Die Tasmanische Halbinsel

Die Tasmanische Halbinsel

Zusammenfassend ist Tasmanien sehr sehenswert – jedoch ist eine Woche Aufenthat fast schon zu wenig, um die Vielfalt der Insel kennen zu lernen. Mich persönlich hat die Insel ein wenig an Skandinavien erinnert – viel Weite und viele kleine Blockhütten dazwischen. Somit bietet die Insel einen schönen Kontrast zur bebauten Ostküste Australiens und sollte besonders bei Natur- und Wanderliebhabern nicht fehlen :).

 

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