Sehnsucht Fernweh

Von Tempel, Fledermaus und Bambusbahn – Eine Woche in Kambodscha

Angkor Wat

Angkor Wat

Nachdem ich drei Wochen in Malaysia verbracht habe, ging es für gut eine Woche nach Kambodscha. Wie bei vielen Reisenden sollten in diesem Land auch bei mir die Tempelanlagen von Angkor Wat nicht fehlen, jedoch wollte ich auch nicht ausschließlich Siem Reap (Angkor) erleben, sondern ein etwas breiteres Spektrum des Landes kennen lernen (was in einer Woche definitiv nicht möglich ist ;)). Aus diesem Grund entschied ich mich dafür, einen Gabelflug zu buchen; auf dem Hinweg wollte ich die Hauptstadt Phnom Penh anzusteuern und den Rückweg von Siem Reap aus starten (dies wäre ebenso gut in umgekehrter Richtung möglich, jedoch waren bei mir die Flüge andersherum teurer). Nach einigen Überlegungen und Absprachen mit einer Freundin, mit der ich zusammen gereist bin, stand dann unsere Route fest:

Phnom Penh (Drei Nächte), Battambang (Zwei Nächte) und Siem Reap (Drei Nächte).

Fresh Fruit Juices in Siem Reap

Fresh Fruit Juices in Siem Reap

Diese Kombination an Reisezielen würde ich wahrscheinlich auch noch einmal so wählen, da Battambang erstens geografisch gesehen fast mittig zwischen Phnom Penh und Siem Reap liegt und da zweitens die Strände rund um Sihanoukville in der Regenzeit nur bedingt Urlaubsfeeling versprechen.

Nachfolgend habe ich euch einmal zusammengestellt, warum diese Route sehenswert ist und was man an de jeweiligen Orten erleben kann :).

Manche Dinge gehen weltweit: Ein Coffee Moccha

Manche Dinge gehen weltweit: Ein Coffee Moccha

In Phnom Penh angekommen sind zwei bis drei Nächte Aufenthalt angebracht. Je nach Ankunftszeit kann am ersten Tag noch das Stadtzentrum mit dem Royal Palace und dem National Museum besichtigt (lange Hosen bzw. Röcke und Schulterbedeckung für Frauen sind hier verpflichtend) oder aber das Tuol Sleng Genozid Museum besucht werden (geöffnet bis 17:00 Uhr).

Der Royal Paace in Phom Penh

Der Royal Paace in Phom Penh

Das ehemalige Gefängnis s-21 (Tuol Sleng) der Roten Khmer berichtet anschaulich über die Verbrechen, die dort begangen wurden. Auch wenn ein Besuch des s-21 eher nicht zu einer unbeschwerten Urlaubsstimmung beiträgt, so ist es einen Besuch wert. Viele Hostels und Tourenanbieter verbinden das s-21 zudem mit den Killing fields, welche sich etwas außerhalb Phnom Penhs befinden und kombinieren beide Attraktionen zu einem Ganztagesausflug. Ich habe von anderen Reisenden gehört, dass sich diese Kombination ebenfalls lohnt, kann hierzu jedoch keinen persönlichen Eindruck abgeben. Ein TukTuk, welches die Killing Fields mit dem s21 Museum kombiniert kostet ungefähr 35 Dollar. Da ich die angegebenen Fahrtkosten immer auf ein TukTuk beziehen, bietet es sich an, andere Reisende anzusprechen, die dieselben Ziele sehen möchten und gemeinsam ein Motorrad-Taxi zu reservieren. Preise können zudem teilweise verhandelt werden.

Als ein weiterer Tagesausflug bietet es sich an, auf den Oudong Mountain zu fahren, welcher sich etwa 40 Minuten außerhalb der Stadt befindet.

Der Ausblick vom Udong Mountain

Der Ausblick vom Udong Mountain

Die Fahrt zu dem Bergtempel mit dem Tuktuk ist ein kleines Abenteuer, da die Straßen nicht immer gut ausgebaut und mit einigen Schlaglöchern versehen sind. Unser Fahrer hat mir und meiner mitreisenden Freundin sogar einen Mundschutz gegen den aufwirbelnden Staub gekauft – somit waren wir der Hingucker schlechthin auf den Straßen;).

Die Anreise zum Oudong Mountain

Die Anreise zum Oudong Mountain

Die Tempelanlage an sich ist recht schön jedoch nicht wahnsinnig spektakulär, viele Pagoden (restaurierte, neue und alte) begleitet einen auf dem Weg über den Hügel. Den eigentlichen Reiz dieses Ortes macht der Ausblick vom Tempel aus – über Felder und Wiesen kann man viele weitere Tempelanlagen sowie die Kambodschanische Hauptstadt entdecken. Des weiteren gefiel mir die Stimmung auf dem Berg sehr gut – im Vergleich zum lauten und chaotischen Phnom Penh war es hier sehr ruhig und friedlich. Der Aufstieg auf den Hügel ist zudem nicht anstrengend, jedoch sollte genügend Wasser mitgenommen werden, da die Temperaturen und Luftfeuchtigkeit nahezu jeden Schritt erschweren. Während unseres Besuchs gab es zudem hin und wieder kleine Stände, die gekühlte Getränke anbieten – ich weiß jedoch nicht, ob dies immer der Fall ist.

Neben diesen Ausflügen, bietet Phnom Penh zudem eine Fülle an leckere Restaurants und Bars, in denen man den Abend ausklingen lassen kann.

Über den Dächern von Phnom Penh: Happy hour im Frangipani Royal Palace Hotel

Über den Dächern von Phnom Penh: Happy hour im Frangipani Royal Palace Hotel

Viele Touristen unternehmen zudem eine (abendliche) Fahrt auf dem Mekong, welches mir jedoch – in Anbetracht der Wasserfarbe – nicht sehr einladend erschien. Vielleicht bin ich jedoch als Hamburgerin auch einfach verwöhnt, was Städte am Wasser angeht.

Typisch Kambodschanisch: Öffentliche Aerobic-Kurse in den Parkanlagen des Landes

Typisch Kambodschanisch: Öffentliche Aerobic-Kurse in den Parkanlagen des Landes

Von Phnom Penh aus ging es anschließend nach Battambang in den Nordosten des Landes (Fahrtdauer zirka sechs Stunden für Fahrpreis zwischen sieben und 10 Dollar). Auch wenn die knapp 200.000 Einwohner zählende Stadt nicht oft auf der Agenda von Touristen steht, so bietet sie doch einiges und ist einen Zwischenstopp wert, möchte man von Phnom Penh nach Siem Reap weiterreisen. Auch wenn die Stadt selbst außer einem kleinen Fluss und einigen netten Restaurants und Bars nicht viel zu bieten hat, so ist die Umgebung sehenswert. Die bekannteste Attraktion Battambangs ist wohl der sogenannte „Bamboo-Train“, kleine Schienentaxis, welche von der Stadt aus ungefähr acht Kilometer ins Landesinnere führen und früher für den Transport von Reis und anderen Gütern benutzt wurden.

Spaß groß geschrieben: Eine Fahrt mit dem BambooTrain

Spaß groß geschrieben: Eine Fahrt mit dem BambooTrain

Heutzutage transportiert der Zug zwar mehr Touristen als Getreide, ermöglicht einem so aber unverfälschte einrücke des kambodschanischen Hinterlands. Da die Schienenstrecke nur einspurig ist, müssen die „Norrys“  (Schienentaxis) bei Gegenverkehr kurz ab- und wieder zusammengebaut werden. Hierbei gilt das Gesetz des „Schwereren“. Das Norry, welches mehr Personen geladen hat, darf weiterfahren und das Norry mit weniger Ladung muss kurzfristig aus dem Weg geräumt werden. Ich selbst fand die Fahrt auf dem Bambus-Zug als sehr unterhaltsam empfunden und habe auch noch nie auf Reisen eine ähnliche Fahrt unternommen. Alleine deswegen lohnt sich ein Besuch in Battambang.

Vorfahrt gewähren: Der Bamboo-Train wird kurzerhand von den Schienen gehoben

Vorfahrt gewähren: Der Bamboo-Train wird kurzerhand von den Schienen gehoben

Die Stadt verfügt jedoch auch noch über einige Tempelanlagen, die es sich lohnt zu besichtigen. Hierfür am besten für sieben bis acht Dollar am Tag einen Roller mieten und einfach ein wenig in die Umgebung der Stadt fahren. Besonders gut hat mir die Bat Cave (Fledermaushöhle) gefallen, von der aus sich jeden Abend bei Dämmerung 1.000.000 Fledermäuse in die Luft begeben um am nahegelegenen Tonle Sap See auf Nahrungssuche zu gehen. Ich persönlich fand es sehr beeindruckend, wie sich der „Schwarze Teppich“ aus der Höhle erhebt und dann, verschiedene Formationen fliegend, im Nachthimmel verschwindet. Da das Spektakel insgesamt etwa 30 Minuten andauert, ist es zudem nicht so wichtig, unbedingt zu einer ganz bestimmten Zeit vor Ort zu sein (Dämmerung reicht as Zeitangabe;)). Quasi direkt neben der Fledermaushöhle steht zudem ein weiterer schöner Bergtempel, welchen es sich anzugucken lohnt.

Tempelzeit: Diesmal ein Bergtempel in der Nähe von Battambang

Tempelzeit: Diesmal ein Bergtempel in der Nähe von Battambang

Der Aufstieg ist auch hier nicht sonderlich schwer – auch wenn einem de TukTuk-Fahrer etwas anderes erzählen, um Fahrgäste zu gewinnen – und auch von Kindern und nicht nur von Wanderfreunden zu schaffen.

Ich denke, dass zwei Nächte in Battambang eine geeignete Zeit sind, um die Umgebung zu erkunden (ein kompletter Tag sollte es schon sein), bevor ich eine Weiterfahrt ach Siem Reap anbietet.

Gold, Gold, Gold ist das Motto der Tempelanlagen in Kambodscha

Gold, Gold, Gold ist das Motto der Tempelanlagen in Kambodscha

Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens, wieder eine Busfahrt (zirka sieben bis neun Dollar) und zweitens eine Bootsfahrt (zirka 20 Dollar). Auch wenn der Preis erst einmal für den Bus spricht, so habe ich mich für die Bootsfahrt entschieden und dies nicht bereut.

Entspannung Pur auf der Bootsfahrt von Battambang nach Siem Reap

Entspannung Pur auf der Bootsfahrt von Battambang nach Siem Reap

In entspannten sieben Stunden schippert man erst durch kleine Kanäle und Flüsse, bevor es anschließend auf den großen Tonle Sap See hinauf geht. Vorbei an schwimmenden Dörfern, Fischern und spielenden Kindern, die in ihren kleinen Booten Wettrennen veranstalten, geht es immer weiter bis zum Anleger in Siem Reap, von dem aus man mit einem TukTuk ins Stadtzentrum kommt. Die Fahrt vom Anleger ins Zentrum kostet 5 Dollar pro Person – kann jedoch in einigen Fällen gespart werden, wenn man sich bereits im Vorwegen für eine Unterkunft entscheidet, da viele Hostels du Hotels im Falle einer Buchung einen kostenlosen Abholservice anbieten. Als Sparfuchs habe ich von diesem gratis Shuttleservice natürlich gebrauch gemacht :).

Schwimmende Dörfer auf dem Tonle Sap See

Schwimmende Dörfer auf dem Tonle Sap See

In Siem Reap erwartet einen dann das „etwas andere“ Kambodscha. Es gibt unglaublich viele (Nacht-) Märkte, auf denen Händler ihre Waren zum Verkauf anbieten. Tücher und Tops gab es hier ab zwei Dollar und Hosen ab drei Dollar. Ich weiß nicht, ob dieses daran lag, dass wir zur Regenzeit gereist sind, oder ob die Märkte immer so günstig sind – es kam mir zumindest um einiges günstiger vor als auf äquivalenten Märkten in Thailand. Zudem reihen sich Bars, Restaurants, Hostels und Hotels aneinander und an jeder Ecke werden Massagen und Spa-anwendungen angeboten. Man merkt: Hier ist das touristische Zentrum des Landes. Ich persönlich habe mich jedoch an dem internationalen Ambiente nicht gestört und fand es ganz angenehm jeden Tag einen frischen Fruchtsaft zu trinken (frische Säfte waren in den anderen Städten des Landeseher selten aufzufinden) oder eben über die Märkte zu stöbern.

Fish can do Massage!

Fish can do Massage!

Doch auch wenn die Stadt an sich sehr entspannt ist bleibt der eigentliche Grund eines Besuchs von Siem Reap ein anderer: Angkor Wat.

Der eigentliche Grud einer jeden Kambodscha-Reise: Angkor Wat

Der eigentliche Grund einer jeden Kambodscha-Reise: Angkor Wat

Sobald man in Siem Reap angekommen ist, sollte man sich die Frage stellen, wie viele Tage man sich die Anlage ansehen kann. Besonders beliebt sind Tages- und Drei-Tages-Karten, je nachdem, wie intensiv man sich die einzelnen Tempel ansehen möchte und ob ein ganz bestimmter, weiter entfernter Tempel, auf der Agenda steht. Während meiner Reise habe ich mich für eine Tagestour entschieden, bei der man auf dem „Small Circuit“, die Tempel Angkor Wat, Banteay Koei, Ta Prom, Angor Tom und Bayon besichtigt. Die Anlagen sind alle sehr beindruckend, doch ehrlich gesgt war ein Tag war für mich im Endeffekt doch ausreichend, um einen Eindruck zu gewinnen.

Ein paar Impressionen der Tempelanlagen von Angkor

Ein paar Impressionen der Tempelanlagen von Angkor

Sicherlich sind die entlegeneren Anlagen auch sehr schön und weit weniger besucht als die bekanntesten Tempel entlang des „Small Circuits“, doch dadurch, dass ich in der Nebensaison gereist bin, hielt sich der Besucherstrom an sich in Grenzen.

Nachdem man sich für eine Option der Erkundung entschieden hat, bleibt noch eine weitere Frage zu klären, bevor es losgeht: Wie erkundet man am besten das Gelände? Hier bieten sich insbesondere die drei Optionen TukTuk, Motorrad oder Fahrrad an. Am kostengünstigsten ist sicher die Option Fahrrad, bei dem man lediglich zwei bis drei Dollar pro Tag bezahlt – mit dem TukTuk sind es für den kleinen Zirkel etwa 15 bis 20 pro Gefährt. Allerdings sollte man einen Tag in der Tempelanlage nicht unterschätzen: Nicht nur, da sich die Anlage doch noch einige Kilometer außerhalb Siem Reaps befindet und die einzelnen Tempel auch nicht unbedingt direkt nebeneinander liegen, sondern auch, da es nach dem umherwandern und besteigen einzelner Tempel durchaus entspannend sein kann, sich fünf Minuten hinzusetzen und nicht in die Pedale zu treten. In der Regenzeit hat man hier zudem den Vorteil, dass man zwischen den Tempeln ein wenig trocknen kann ;).

Beeindruckend sind die Tempe von Angkor

Beeindruckend sind die Tempe von Angkor

Wenn man sich für die Fahrradoption entscheidet, dann sollte jedoch unbedingt auf ein funktionierendes Licht du Schloss geachtet werden. Die finale Entscheidung sollte wahrscheinlich jeder Reisende für sich treffen – meine Freundin und ich haben uns für eine TukTuk entschieden und dies nicht bereut, da wir so unsere Wasservorräte zwischenlagern konnten und nicht nachts um vier bei Regen über verlassene Landstraßen Fahrradfahren mussten.

Mystisch erheben sich die Tempeanlagen in den Himmel

Mystisch erheben sich die Tempeanlagen in den Himmel

Ein kleiner Tipp noch an diejenigen, die sich den Sonnenuntergang vom Bayon Tempel aus ansehen möchten: Hier lohnt es sich wirklich rechtzeitig am Tempel zu sein, da nur eine bestimmte Anzahl an Personen zugelassen wird. Selbst in der Regenzeit und bei teilweise bewölktem Himmel war die Tempelplattform bereits eine Stunde vor Sonnenuntergang „geschossen“ und neue Besucher wurden nur im Wechsel hereingelassen.

Zurück in Siem Reap bietet sich dann Entspannung für die Füße im Fish Spa oder für den ganzen Körper in einem der Massagecenter sowie ein leckeres Curry in einem der zahlreichen Restaurants an.

Abschließend lässt sich sagen, dass Kambodscha weit mehr ist als Siem Reap und sich eine kleine Reise durch das Land der Khmer definitiv lohnt. Zumindest eine Woche sollte man sich Zeit nehmen, um einen kleinen Eindruck von der Kultur zu bekomme – je mehr Zeit man jedoch investiert, desto besser :).

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