Sehnsucht Fernweh

Reisen in Malaysia: Zusammenfassende Eindrücke

What a view - ein Blick auf die Petronas Towers in Kuala Lumpur

What a view – ein Blick auf die Petronas Towers in Kuala Lumpur

Insgesamt drei Wochen habe ich in Malaysia verbracht. Natürlich reicht diese Zeit keineswegs aus, um umfassende Einblicke in Land und Leute zu gewinnen und doch bleiben Eindrücke, die ich hier gerne erwähnen würde.

Malaysia ist sauber

Fast schon zu sauber präsentiert sich der Dutch Square in Melakka

Fast schon zu sauber präsentiert sich der Dutch Square in Melakka

Denkt man an Asien und das asiatische Stadtbild, so gehören fehlende Mülleimer oft ebenso oft dazu wie offene Müllsäcke am Straßenrand oder einfach liegengelassene Reste. Nicht so in Malaysia. Hier sind die Straßen (meist) blitzblank und ein Mülleimer lässt sich an jeder Ecke finden. Sogar Schilder, die einen über Mülltrennung informieren, sind hier oft vorzufinden.

Malaysia ist organisiert

Von Chaos und Hektik keine Spur

Von Chaos und Hektik keine Spur

Im Vergleich zu meinen Erwartungen, ist Malaysia unglaublich gut organisiert und strukturiert. Statt Chaos auf den Straßen, halten sich Autofahrer an Zebrastreifen (alleine, dass diese existieren ist schon ein Wunder) und halten an roten Ampeln. Auch habe ich insgesamt nur drei Mal ein Auto hupen hören – ein Geräusch, das in vielen anderen Ländern nahezu zu einem Dauerton wird. Diese Organisation zeigt sich auch bei Überlandfahrten mit dem Bus. Ein Fahrplan wird strikt eingehalten, Abfahrtszeiten sind Abfahrtszeiten und werden nur selten um fünf bis zehn Minuten nach hinten verschoben. Anders sieht es allerdings bei der Dauer der Reisen aus  – hier kann die veranschlagte Zeitspanne gerne  ein wenig nach oben korrigiert werden.

Nahezu jeder spricht Englisch

Auf English wurden mir die verschiedenen Gerichte erklärt

Auf English wurden mir die verschiedenen Gerichte erklärt

Eine Folge der ehemaligen Kolonialmacht England ist, dass ein Großteil der malaysischen Bevölkerung über gute bis sehr gute Englischkenntnisse verfügt. Egal, ob man nach dem Weg oder einer Busverbindung fragt, oder im Restaurant Inhaltsstoffe bestimmter Gerichte wissen möchte, meist bekommt man ohne Sprachprobleme eine Antwort. Dies war für mich sehr angenehm, da man nicht bangen musste, ob der gewünschte Guide morgens wie verabredet vor der Tür steht oder nicht, da er die Adresse nicht richtig verstanden hat, und natürlich auch schneller mit einheimischen ins Gespräch kommt, als dies sonst der Fall wäre.

Die Malaien sind freundlich

Jeder versuchte zu helfen und zu vermitten, sofern es nötig war

Der Grund, warum ich diese Punkt sogar in einer doch recht kurzen Zusammenfassung meiner Eindrücke separat aufgreife ist der Folgende: In drei Wochen habe ich nicht einen einzigen Malaien getroffen, der nicht hilfsbereit war oder mit bi fragen bereitwillig Antwort gestanden hat. Bei Fragen nach bestimmten, mir bis dato unbekannten Obstsorten, wurden mir diese ohne Nachfrage kostenlos zum Probieren angeboten und auch an unbekannten Straßenständen wurde mir immer geduldig erklärt, was sich hinter den Namen der einzelnen Speisen versteckt. Doch nicht nur das, überall bekam man kostenlosen Tee und einer der Hotelbesitzer auf meiner Reise bot mir und einer mitreisenden Freundin sogar eine kostenlose Fahrt aus den Cameron Highlands in die vier Stunden entfernte Hauptstadt Kuala Lumpur an. Dies klingt auf den ersten Blick vielleicht noch normal, aber ein solches Lächeln und eine solche Offenheit wie die, mit der mir die Malaien entgegentraten habe ich so wirklich selten erlebt. Nicht einmal wurde ich unfreundlich abgespeist oder in sonst einer Form „verarscht“ oder habe mich auch nach Einbruch der Dunkelheit unsicher gefühlt.

Das Durchschnittsalter der Backpacker ist relativ hoch

Das ichterfest in der Love Lane gemeinsam mit anderen Reisenden genießen

Das Lichterfest in der Love Lane gemeinsam mit anderen Reisenden genießen

Da ich meine Reise nach Abschluss des Masterstudiums anging, hatte ich zuvor in wenig die Befürchtung, dass ein Großteil der Reisenden, die mir auf dem Weg begegnen wahrscheinlich ein ganzes Stück jünger als ich sind und ggf. gerade ihr Abitur feiern. In vielen anderen Ländern wie Thailand oder Australien mag dies begründet sein, in Malaysia hingegen befand ich mich mit Mitte 20 quasi im Durchschnittsalter der Backpacker. Ich begegnete vielen Studenten, die Malaysia als Zwischenstation nutzten um in Asien ein Praktikum zu beginnen, die in Singapur oder Kuala Lumpur ein Auslandssemester machen, oder in ihren letzten Semesterferien vor der Abschlussarbeit noch ein wenig Ferne schnuppern wollten. Natürlich kann das verhältnismäßig hohe Reisealter Zufall gewesen sein, wurde mir jedoch von anderen Reisenden, die sich auch in Malaysia aufhielten bestätigt.

Malaysia hat kein einzelnes Highlight

Teeplantagen in den Cameron Highlands

Teeplantagen in den Cameron Highlands

Wandern am Penang Mountain

Wandern am Penang Mountain

Während wahrscheinlich jeder Tourist in Kambodscha die Tempel von Angkor Wat ansieht oder kaum ein Paris-Reisender die Stadt verlässt ohne immerhin einen Blick auf den Eiffelturm erhascht zu haben, so gibt es in Malaysia nicht „das eine“ Must-See und jeder gestaltet seien Aufenthalt ein wenig anders. Es gibt nicht „den einen Grund“, der die Touristen ins Land lockt – den Reisenden, die es ins Land lockt, reizt das Gesamtpaket. Durch einigermaßen kurze Entfernungen in Malaysia ist es möglich, in zwei bis drei Wochen sowohl die Teeplantagen der Cameron Highlands zu sehen, als auch das bunte Treiben in den Gassen Georgetowns, die paradiesischen Strände an den Inseln der Ostküste und das internationale Flair Kuala Lumpurs oder Singapurs. Auch die verhältnismäßig günstigen Flugverbindungen nach Kuala Lumpur und Singapur machen das Land nach und nach attraktiver für (Budget-)touristen. Die Vielfalt auf kleinem Raum macht den Reiz des Landes aus und nicht ein bestimmter Strand oder eine bestimmte Tempelanlage.

Malaysia ist fortschrittlich

Kurze Hosen und Tops sind vielerorts in Malaysia kein Problem

Kurze Hosen und Tops sind vielerorts in Malaysia kein Problem

Nicht nur sind die Überlandbusse in Malaysia mit Abstand fortgeschrittener und komfortabler als unsere grünen Städte-verbinder (hier gibt es nur drei Sitze nebeneinander und dementsprechend breit ist jeder einzelne), sondern auch die Menschen sind liberal eingestellt. Auch wenn das Land größtenteils muslimisch geprägt ist und viele einheimische Frauen Kopftücher tragen, so können sich weibliche Touristen „einiges erlauben“. Im Vergleich zu Indien und anderen muslimischen Ländern, sind Tops und kürzere Hosen kein Problem und in den touristischen Strandgebieten kann ohne böse Blicke zu erhaschen in Bikinis geschwommen werden. Auch Alkohol lässt sich vielerorts leicht kaufen und wird in fast jeder Bar verzehrt.  Doch nicht nur in religiöser Hinsicht ist das Land auf dem Vormarsch, der Fortschritt ist vielerorts erkennbar: oft begegneten mir Schilder, die darauf hinwiesen, Müll zu trennen, keinen Müll auf die Straßen zu schmeißen, sowie das Rauchen an öffentlichen Plätzen zu unterlassen. Öffentliche Toiletten sind zudem überall vorhanden und gut erhaltene, hübsch angelegte Spielplätze du familiäre Grünoasen sind keine Seltenheit.

Malaysia ist multikulturell

Chinesische Beleuchtung in Chinatown

Chinesische Beleuchtung in Chinatown

Blumenschuck vor einem der Hindu-Tempel

Blumenschuck vor einem der Hindu-Tempel

In gewissen Dingen einhergehend mit vorhergehendem Abschnitt lässt sich sagen, dass Malaysia unglaublich multikulturell ist. Verschiedenste Glaubensrichtungen leben hier friedlich nebeneinander und werden (inklusive ihrer Gotteshäuser) akzeptiert. Kirchen, Tempel und Moscheen stehe nicht selten fast nebeneinander chinesische Dumplings werden nicht selten direkt neben indischen Samosas zum Verkauf angeboten.

Sonnnuntergang m Strand von Penang

Sonnnuntergang m Strand von Penang

Insgesamt würde ich sagen, dass das Reisen in Malaysia sehr einfach ist. Alles ist strukturiert und geordnet und die Verständigung nur selten ein Problem, sodass sich das Land auch für Asieneinsteiger eignet. Es sei jedoch andererseits auch gesagt, dass mir persönlich das Land aus diesem Grund nicht unbedingt „typisch asiatisch“ erschien, sodass es sich vielleicht weniger eignet, wenn man das klassische asiatische Chaos erleben will.

Als optimale Reisedauer sollte man auf der westlichen Hälfte Malaysias zirka vier Wochen einplanen. So lassen sich Ost- und Westküste, sowie der Taman Negara Nationalpark und Singapur entspannt erleben, ohne dass ein ungewollter Reisestress ausbricht. Lässt man einzelne Teilstücke, wie z.B. Singapur und Kuala Lumpur sowie eine Insel der Ostküste Weg, so sind jedoch auch drei Wochen ausreichend, um das Land zu bereisen. Möchte man den Ostteil des Landes, Borneo, ebenfalls bereisen, sollte mindestens eine zusätzliche Woche veranschlagt werden.

 

3 Kommentare zu “Reisen in Malaysia: Zusammenfassende Eindrücke

  1. Pingback: Von Tempel, Fledermaus und Bambusbahn – Eine Woche in Kambodscha – Sehnsucht Fernweh

  2. n.e

    Also ich kann leider nicht alle deine eindrücke so teilen.
    Ich bin weiblich und alleine unterwegs und habe mich sehr oft unwohl gefühlt bisher. Trotz dezenzer Kleidung musste ich mir schon unzählige obzöne Bemerkungen anhören und geiernde Blicke ertragen das habe ich so in anderen asiatischen ländern bisher nicht erlebt. Besonders hilfsbereit erschienen mir die menschen leider auch nicht. Die busfahrer helfen einen nichtmal den rucksack in oder aus dem bus zu laden. Tendenziell machen die menschen meist einen gervten eindruck auf mich. Besonders wenn man nicht sofort das geld auf den tisch legt sondern vllt noch eine frage stellt.
    Davon abgesehen muss ich aber auch sagen, dass mich der multikulturelle Charakter des Landes auch sehr beeindruckt hat. bu

    1. Julia Hansen Autor des Beitrags

      Hallo Neele,
      danke für dein Feedback. Es tut mir leid zu hören, dass du in Malaysia negative Eindrücke gesammelt hast. Wo genau bist du denn unterwegs gewesen? Etwas mehr abseits der Touristen-Pfade? Ich frage das, da ich das Gefühl hatte, dass die Rituale des muslimischen Glaubens hier noch mehr durchscheinen als in den Städten und Touristen-Regionen. Allerdings waren wir die komplette Zeit zu zweit unterwegs – zwar beide blond und weiblich, aber vielleicht macht das trotzdem noch einen Unterschied. Eine Freundin reist gerade alleine in Malaysia, bei der werde ich noch einmal nach ihren Erfahrungen nachhaken. Danke aber auf jeden Fall für den Einwand, dass es vielleicht doch noch einen Unterschied macht, ob man als Frau ganz alleine unterwegs oder in Begleitung – wenn auch weiblicher – ist. Ich werde dort auf jeden Fall noch einmal nachhaken.
      Bezüglich der Hilfsbereitschaft habe ich wirklich gegenteilige Erfahrungen gemacht als du. Mir wurde sogar z.B. öfter ein und das selbe Essen vor einer Bestellung bereits in verschiedenen Schärfegraden serviert, damit ich mir daraufhin für die eigentliche Bestellung „den Richtigen“ aussuchen kann – und das ohne Aufpreis. Da habe ich in anderen asiatischen Ländern weitaus negativere Erfahrungen gemacht, bei denen ich, um eine Auskunft zu erhalten, nahezu immer etwas Geld blechen musste. Es kann natürlich sein, dass ich einfach nur Glück hatte, aber dafür spiegelt ein Blog ja auch eine subjektive Meinung wieder und keine faktischen Informationen :).
      Ich hoffe, dass du deine Reise dennoch genießen konntest und mitzahleichen positiven Erfahrungen zurückgekehrt bist. Wenn du noch weitere Anmerkungen hast, dann teile sie mir auch weiterhin gerne mit.
      Liebe Grüße
      Julia

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