Sehnsucht Fernweh

Backpacking auf Kuba – Lohnt sich Varadero?

Selten gibt es sie noch in Varadero - kleine Cafés abseits der Hotelhochburg

Selten gibt es sie noch in Varadero – kleine Cafés abseits der Hotelhochburg

Bei der Planung unserer Kuba-Rundreise vor zwei Jahren beschäftigte uns vor allem eine Frage? Varadero – ja oder nein? Neben den positiven Meinungen vieler All-Inclusive-Urlauber, die neben blauem Meer und einer schönen Hotelanlage nicht viel von Havanna sehen werden, schreckte uns die Meinung einiger Backpackerfreunde, die Varadero als langweilig und überfüllt einstuften doch ein wenig ab.

Nachdem wir uns aus diesem Grund eigentlich gegen den touristischen Küstenort entschieden haben, landeten wir letzten Endes doch in Varadero, da unser Sammeltaxi, welches uns von Trinidad zu Cayo Coco bringen sollte, einen Ruhetag einlegte und sich einfach nicht blicken ließ – auch das ist Kuba.

Mit gemischten Gefühlen stiegen wir dementsprechend in Varadero aus dem Bus. Nach drei Tagen vor Ort waren wir uns beide einig: Backpacking in Varadero muss nicht sein. Drei Gründe, die uns zu diesem Entschluss kommen ließen, erfahrt ihr hier:

1) „Varadero ist nicht Kuba“

Hotelsightseeing - Im Doppeldeckerbus durch Varadero

Hotelsightseeing – Im Doppeldeckerbus durch Varadero

Was uns einige Kubaner, die wir auf unserer Reise kennen lernten bereits prophezeiten bestätigte sich für uns nach wenigen Minuten an jeder Straßenecke: Varadero ist nicht Kuba. Stadt einem schönen historischen Stadtkern fehlt es in Varadero gänzlich an einem richtigen Dorf. Es gibt ein paar Straßenzüge, in denen die Einheimischen wohnen, jedoch sind diese, im Vergleich zum restlichen Kuba, nichts Besonderes.

Auch das typisch kubanisch Leben mit Tanz und Musik hält sich in Varadero eher bedeckt und steht im Schatten der großen Hotelanlagen. Von diesen widerum gibt es in Varadero reichlich: Ob Iberostar Tryp, Sirenis, Melía oder Be live – hier findet jeder All-Inclusive Fan sein persönliches El Doardo. Für uns bedeuteten diese Hotels jedoch weder Entspannung noch Luxus sondern viel mehr Einschränkungen: Keine ausgedehnten Spaziergänge am Strand, da man ohne Hotelarmband nur ungern an die Privatstrände der Resorts gelassen wird und keine romantischen Restaurants am Strand, da diesen auf Grund der Pauschalurlauber oftmals die Gäste ausgingen.

Aus Neugierde und auf Basis mangelnder Alternativen, unternahmen wir dann noch eine Rundfahrt auf der Halbinsel. Was zunächst noch recht einladend klingt, wird jedoch immer surrealer, wenn man verinnerlicht, dass diese Rundfahrt lediglich alle Hotels der Halbinsel anfährt um dort Gäste auf eine Sightseeing-Tour mitzunehmen.Wir haben uns einen Spaß daraus gemacht, sind ab und an ausgestiegen, um uns verschiedene Hotelanlagen anzusehen oder ein kurzes Bad in einem Hotelpool zu nehmen (auf Nachfrage und gegen ein kleines Entgelt durften wir dieses bereitwillig tun). Nichtsdestotrotz hat dieses Erlebnis in einem roten Doppeldeckerbus wenig bis garnichts mit der Authentizitätt des Landes zu tun, die im Normalfall statt Touribus eher auf Oldtimer und Coco-Taxis setzt.

2) Varadero ist teuer

In Varadero auf Unterkunftssuche

In Varadero auf Unterkunftssuche

Nach Ankunft am Busbahnhof von Varadero haben wir uns auf die Suche nach einer Casa Particular gemacht. Bereits hier fiel uns auf: Varadero ist auf Pauschaltouristen ausgelegt. Während der typische Anker, welcher auf die Vermietung von Privatzimmern hinweist, im restlichen Kuba nahezu jede Haustür schmückt, suchten wir hier eine ganze Weile nach einer Unterkunft. Als wir nach einigem Suchen freudestrahlend auf den besagten Anker trafen und uns nach einem Zimmer erkundigten die nächste Ernüchterung: Nahezu 40 Dollar sollte ein Zimmer hier pro Nacht kosten, fast das Doppelte zu unseren Durchschnitts-übernachtungspreisen. Ein Frühstück war zudem ebenfalls nicht inkludiert und auch das Zimmer war – ohne ein Fenster dafür aber mit reichlich Krabbeltier – definitiv nicht für einen Gemütlichkeitsaward nominiert.

Nachdem wir uns nach dieser Erfahrung noch zwei weitere Zimmer angesehen haben, kamen wir jedoch zu dem Entschluss: Das ist Varadero und zogen in unser neues Domizil ein. Es sei dazu erwähnt, dass die Ausgaben für Kubaner in Varadero ebenfalls höher sind als der Landesdurchschnitt, sodass etwas höhere Ausgaben auch verständlich sind. Dieses erhobene Preisniveau zieht sich durch viele Teile der Halbinsel – auch Wasser oder kleine Snacks sind teurer als in anderen Teilen des Landes.

3) Es gibt schönere Strände als der Varadero Beach

Varadero Beach - Trotz Palmen und weißem Sand keiner meiner Lieblingsstrände

Varadero Beach – Trotz Palmen und weißem Sand keiner meiner Lieblingsstrände

Neben der fehlenden Atmosphäre des Dorfes hat uns leider auch der eigentliche Höhepunkt Varaderos, sein langer Sandstrand, nicht überzeugt. Obwohl der Sand sehr fein und hell ist und auch das Meer türkis erstrahlt so hat uns auch hier das gewisse Ambiente gefehlt. Teilweise flog sehr viel Plastik am Strand herum und ein Sturm, welcher einige Tage vor nserer Ankunft auf Varadero traf hat den Stradnd teilweise unterspült, sodass die Strandliegen quasi auf einem Plateau lagen,von dem es relativ Steil zur ungefähl 1 Meter tieferen Wasserkante ging. Auf Grund des bereits erwähnte Sturmes kann ich jedoch nicht sagen, ob der Strand nicht vielleicht im Normalfall recht seicht ins Meer übergeht. Die Einschränkung der Privatstrände der Hotels hat uns ebenfalls genervt, jedoch betrifft diese die Urlauber, welche sich in einem der Resorts niederlassen, eher weniger.

Fazit

Alles in allem lässt sich sagen, dass Varadero zwar kein kompletter Reinfall war, ich es jedoch insbesondere Backpackern, die nicht am reinen Strand- und Resorturlaub interessiert sind, nicht empfehlen kann. Und wenn ihr als Rucksackfreunde euch doch dazu entschließt, die Halbinsel zu besuchen dann lasst euch auf der Hin-/Rückreise eine Fahrt mit dem Hershey-Zug, der einzigen Eisenbahn in der Karibik, nicht entgehen. Dieser verkehrt täglich zwischen Havanna und Matanzas und ist definitiv ein Erlebnis. Weitere Infos und eine Zusammenfassung unserer Reise mit dem Hershey Zug habe ich dir ebenfalls zusammengestellt.

Im Hershey-Train von Matanzas nach Havanna

Im Hershey-Train von Matanzas nach Havanna

4 Kommentare zu “Backpacking auf Kuba – Lohnt sich Varadero?

  1. Pingback: Mit der Eisenbahn durch Kuba: Eine Fahrt mit dem Hershey-Zug – Sehnsucht Fernweh

  2. Stefan

    Moin,
    alles richtig beschrieben 🙂 genau so würde ich auch Varadero beschreiben.War auch nur zweimal für zwei Tage wegen des Fluges da und kann nur sagen wer nur nach Varadero fliegt , kann billiger irgendwo in der Türkei seinen AI Urlaub machen , weil Varadero hat mit Cuba nix aber rein garnix gemeinsam.

  3. Valbona

    Ich will im Sommer nach Varadero (Badeurlaub) und dann die letzten Tage nach Havanna 3/4 Tage.
    Bis ich deinen Beitrag gelesen habe. Ich will wegen der Kultur, Music, Geschichte etc dorthin.
    Welche Orte/Strände kannst du denn empfehlen? Die BESSER sind als Varadero…

    1. Julia Hansen Autor des Beitrags

      Hallo Valbon,
      sorry – irgendwie ist deinBeitrag untergegangen. Ich hoffe, dass du einen ganz tollen Somemrurlaub auf Kuba verbracht hast – wo hat es dich denn am Ende hinverschlagen und hast du noch Tipps und Erfahrungen, die du teilen möchtest?

      Liebe Grüße und eine schöne Restweihnachtszeit
      Jule

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