Sehnsucht Fernweh

Studieren in Nijmegen – Eine Hommage an die älteste Stadt der Niederlande

Wenn ich Freunden erzähle, dass ich in den Niederlanden studiere, kann ich die Reaktionen inzwischen vorhersehen: „Amsterdam, sehr cool“ rufen einige aus oder „Groningen, da studiert auch mein Bruder“. Wenn ich sie daraufhin verwundert ansehe uns sage, dass ich nicht in Maastricht, Groningen oder gar Amsterdam, sondern in Nijmegen (dt.: Nimwegen) studiere, erwarten mich verwirrte Blicke und ungläubig große Augen.

Vollkommen ungerechtfertigt steht Nimwegen in der Provinz Gelderland noch immer im Schatten der großen Brüder, wenn es um die Bekanntheit holländischer Studentenstädte in Deutschland geht.

In diesem Artikel erfahrt ihr, warum es sich lohnt, in der Hansestadt zu studieren und zu leben und dass das 200.000 Einwohner Städtchen oftmals unterschätzt wird.

1) Zwischen Antike und Moderne

Ein Blicküber die Sltstadt, den Kronenburgerpark und die Waal

Ein Blick über die Altstadt, den Kronenburgerpark und die Waal

Nimwegen gilt als die älteste Stadt der Niederlande. Bereits im Jahr 2005 feierte die Stadt ihr 2000-jähriges Bestehen, sodass ihre Wurzeln bis in die Zeit des römischen Reiches zurückführen. Den Charme dieser Zeit hat sich die Stadt gewahrt – gepaart mit modernen Glasfassaden, idyllischen Grünanlagen sowie der Waal, an dessen Ufer sich die ein oder andere Kaffee-spezialität genießen lässt, entwickelt Nijmegen eine ganz besondere Atmosphäre, wie ich sie bislang in wenigen Städten erlebt habe. Auch wenn die oftmals auf Postkarten abgedruckten niederländischen Kanäle in der Stadt nicht zu finden sind, so habe ich mich persönlich recht schnell in die Stadt verliebt. Rund um den Grote Markt mit seinen Straßencafés gibt es viele kleine und größere Einkaufsstraßen. Filialen namenhafter Modeketten wechseln sich ab mit urigen Restaurants und Boutiquen, Themenkinos sind ebenso zu finden, wie kleine Teegeschäfte, Eisdielen und natürlich Pommesbuden, die holländische Frietjes verkaufen.

2) Altstadt mit Charme

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De Waagh im Stadtzentrum Nijmegens

In Nijmegen gibt es sich noch: Individuelle Bars und Cafés, die keiner großen Kette angehören und nicht den Charme von Massenproduktion und Einheitslook versprühen, sondern viel mehr durch ihre eigene Art punkten und die Innenstadt zu etwas ganz besonderem machen. Hier sei zum Beispiel das Café Sid and Liv genannt, welches mit seinem urigen Hinterhof und leckeren Scones sowie unschlagbaren Brownies zum Verweilen einlädt, das Bairro Alto mit seinem neueröffneten Bruder Downtown, die mit rustikalem Old-School Ambiente und leckeren Sandwiches zum Plausch einladen oder das Fresca, welches nicht nur ein schönes Ambiente vermittelt, sondern ebenfalls einen der besten Cafés der Stadt zubereitet. Zum abendlichen Dinner haben mich insbesondere der Italiener Romagna überzeugt, bei dem ich die selbstgemachten Ravioli empfehlen kann sowie das Restaurant Nibbles, welches mit einer gelungenen Tapasauswahl, sowie gemütlichen Einrichtung und einladender Außenterrasse zum Verweilen einlädt.

Definitiv ein plus gegenüber den größeren Städten wie Amsterdam oder Rotterdam ist zudem die Übersichtlichkeit des Stadtzentrums. Ohne Problem können alle Geschäfte, Bars und Cafés der Stadt zu Fuß erreicht werden und auch der abendliche Rückweg nach einer ausgelassenen Feiernacht ist meist nicht weit und kann problemlos mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Eine Eigenschaft, die sich doppelt lohnt: Nicht nur dadurch, dass die eh schon kurze Nacht durch lange Heimwege zusätzlich verkürzt wird, sondern auch, da man sich so die Kosten für ein Taxi sparen kann, welche bei dem holländischen Preisniveau sehr schnell ein Loch in den Geldbeutel sprengen können (Autofahrern sei hierbei gesagt, dass auch die Anreise mit dem eigenen PKW nur selten eine kostengünstige Alternative darstellt, da die Parkgebühren für einen Tag ins Zentrumsnähe schnell 20-25 Euro erreichen können).

Meinen persönliche Lieblingsroute durch das Znetrum der Stadt habe ich euch zudem in meinem Artikel „Ein Tag in Nijmegen: Ein Rundgang durch das historische Zentrum der Hansestadt“ zusammengestellt.

3) Fahrradstadt der Niederlande

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Was für ein Ausblick – auf zwei Rädern über die Fahrradbrücke der Stadt

Nijmegen ist die fahrradfreundlichste Stadt der Niederlande – das gab der niederländische Fietserbond dieses Jahr im Mai bekannt. Die Stadt löste somit Vorgänger Zwolle ab, die den Titel seit 2014 innehielt. Doch was bedeutet es eigentlich, Fahrradstadt des Jahres zu sein? Zum einen, dass die Stadt über gut ausgebaute Fahrradwege und „Fahrradschnellstraßen“ verfügt, zum anderen aber auch, dass Anwohnern nahegelegt wird, sich fit zuIMG_1477aaa halten und mit dem Fahrrad zur Arbeitsstelle zu gelangen. Der so erzeugnte Spirit ist in der gesamten Stadt sichtbar: Autos werden nur selten benutzt, das Fahrrad ist das Verkehrsmittel schlechthin. Auf den 43 km Fahrradschnellwegen hatte ich das Gefühl, das Fahrradfahren in Nijmegen selbst aus dem letzten Bewegungsmuffel einen Frischluftjunkie macht. Hierfür sind denke ich insbesondere zwei Gründe zu nennen. Erstens ist es die schnellste Möglichkeit, um von A nach B zu kommen. Durch spezielle Fahrradstraßen werden viele Ampeln umgangen und es gibt besondere Abkürzungen (zum Beispiel vom Zentrum zur Uni), die mit dem Auto nicht befahren werden können. Sogar in eine eigene Brücke für Fahrradfahrer hat die Stadt investiert. Des weiteren haben Fahrräder nicht selten Vorfahrt vor Bussen und Autos, was die Zeit zusätzlich verkürzt. Zweitens, weil es einfach alle machen, ganz egal ob es regnet oder die Sonne vom Himmel lacht – man trifft sich beim Fahrrad fahren. „Lasst uns dann beim Fahrradständer vor der Bibliothek treffen“ oder „Dann komme ich zum Fahrradparkplatz am Plein 1944“ waren definitiv Aussagen, die häufiger aufkamen als „Lasst uns beim Auto treffen“. Und ich muss zugeben, es macht sogar Spaß, komplett durchnässt an der Uni oder zu Hause anzukommen, da man sich nur einmal umsehen muss bevor man weiß: Ich bin nicht alleine. Fahrradfahren in Nijmegen ist auf jeden Fall ein Erlebnis, das dank der gut ausgebauten Wege nicht nur Spaß macht, sondern auch noch sicher ist.

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Life is what you make it – schlechtes Wetter ist nur eine Frage der Kleidung

4) Green Capital 2018

Wer in NIjmegen lebt, der wohnt zugleich in „Europas grüner Hauptstadt 2018“. Neben dem Award zur Fahrradstadt der Niederlande wurde die Stadt ebenfalls für ihr Nachhaltigkeitskonzept ausgezeichnet. Innerhalb der letzten 8 Jahre hat die Stadt ihre Ausgaben für Gas und Elektrizität um 15% gesenkt, installierte 15.000 Solarmodule in der Stadt, baute sichere und umweltfreundliche Fahrradwege und investierte in das öffentliche Verkehrssystem, welches jetzt nahezu ausschlißlich mit grünem Gas betrieben wird. Auch wenn der Weg bis zu einer geplanten Energieneutralität im Jahre 2050 noch weit ist, so bewegt sich NIjmegen in die rihtige Richtung, was die Stadt absolut Lebenswert macht.

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Eine grüne Oase in der Altstadt – der Kronenburgerpark

5) Zentrale Lage in den Niederlanden

Während meines Auslandssemesters hat mir zudem die zentrale Lage Nijmegens gefallen. Nahezu alle sehenswerten Städte und Orte sind in gut 1,5 Stunden zu erreichen. Mit dem Zug trifft dies unter anderem aus Amsterdam, Rotterdam, Den Haag + Scheveningen und Maastricht zu. Auch Ausflugsziele wie der Tulpenpark Keukenhof sind Dank der überschaubaren Größe der Niederlande schnell erreicht. Zu erwähnen sei außerdem, dass es einen Direktbus zum Flughafen Weeze gibt, sowie eine Direktverbindung zum Schiphol Airport in Amsterdam und eine ebenfalls gute Verbindung zum Flughafen nach Eindhoven. Viele Studenten haben sich über dieses Angebot gefreut, da man so neben den Fluglinien, die in Amsterdam verkehren auch den einen oder anderen Billigflieger einer bekannten irischen Fluggesellschaft Richtung nehmen kann, um sein Reiseziel zu erreichen. Die Nähe zu Deutschland hat neben der schnellen Erreichbarkeit des Weeze-Flughafens zudem noch einen weiteren Vorteil: Werden einem die holländischen Lebensmittel- und Drogeriepreise zu teuer, so können Einkäufe in relativ kurzer Zeit auch auf der anderen Seite der Grenze erledigt werden – zu erreichen selbstverständlich über einen gut ausgebauten Fahrradweg.

Natürlich gibt es noch viele weitere Gründe, Nijmegen einen Platz in seinem Herzen einzuräumen und jeder, den dieser Artikel nicht überzeugt hat ist herzlich eingeladen, das Ambiente der Stadt selbst zu erleben und sich bei einem Besuch von der ältesten Stadt der Niederlande zu überzeugen:).

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