Sehnsucht Fernweh

Weit mehr als Kaffee: Eine kulinarische Reise durch Kolumbien

Der Besuch eines Marktes in Kolumbien - ein Buss für jeden Reisenden

Der Besuch eines Marktes in Kolumbien – ein Muss für jeden Reisenden

Bevor es mich nach Kolumbien verschlug habe ich mich nicht explizit mit der kolumbianischen Küche auseinandergesetzt. „Reis mit Bohnen und Fleisch“ haben einige meiner deutschen Freunde gesagt, als ich sie nach den Essgewohnheiten des Andenstaats fragte. „Frische Säfte“ war die Meinung anderer.

Ohne viel Vorwissen begab ich mich also in den Flieger und war bereits am ersten Abend in meiner Gastfamilie überfordert mit der kolumbianischen Küche. „Limonada o jugo de Guayaba“ (dt.: Kolumbianische Limonade oder Guavensaft) fragten sie mich nach meinem Getränkewunsch. Zu essen gab es dann „Sancocho“, eine kolumbianische Suppe.

Nach den ersten Wochen habe ich mich dann jedoch ein wenig an die Küche gewöhnt und freue mich, euch nun in einige süße und herzhafte Speisen und Getränke des Landes einzuführen.

Getränke:

  1) Jugo de Lulo (mein persönlicher Favorit)

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Darf auf keiner Einkaufsliste fehlen – Lulos zur Saftverarbeitung

Lulo (in Ecuador auch Naranjilla genannt) ist eine oft für die Zubereitung von Säften genutzte Frucht in Kolumbien. Die circa 4-6 cm großen Beeren ist von außen orange und verfügen über grünliches Fruchtfleisch. Ich finde, sie sehen aus wie eine Mischung aus Orange (von außen) und Tomate (von innen). Für kolumbianische Verhältnisse schmeckt die Frucht sehr sauer – für uns würde ich sagen leicht säuerlich – welches für einen wunderbar frischen Saftgeschmack sorgt. Hierfür wird das Fruchtfleisch aus seiner Schale entnommen und zusammen mit Wasser in einen Standmixer gegeben. Hinterher werden die kleinen Kerne des Fruchtfleisches aus der Flüssigkeit herausgesiebt und der Saft mit (viel) Zucker und zum Teil mit Milch vermixt. So einfach und schnell, und doch so lecker :).

Auch wenn die Lulo-Pflanze ursprünglich aus den Anden-Regionen stammt ist die heutzutage im ganzen Land erhältlich und wird ebenfalls oft an kleinen Obst-Ständen am Straßenrand verkauft. Auch Lulo-Saft ist teilweise an Straßenständen erhältlich.

Für mich eines der Getränkehighlights in Kolumbien, dicht gefolgt von anderen firschgepressten Säften wie Maracujasaft oder Guavensaft. Ebenfalls probieren sollte man auch jugo de Guanábana (dt.: Saft aus Stachelannone), einer grünen, von stacheln besetzter Frucht mit weißem Fruchtfleisch. Auch wenn ich persönlich diesen Saft lieber meide, so wird er unter Kolumbianern oft getrunken und sollte auch von Touristen auf Grund seines außergewöhnlichen Geschmacks zumindest probiert werden.

2) Postobón und Colombiana

Postobón und Colombiana sind zwei kolumbianische Softgetränke, die in Kolumbien die lokale Antwort auf den Weltherrscher Coca-Cola darstellen. Die Postobón S.A. ist der größte kolumbianische Getränkehersteller und auch im restlichen Südamerika sehr bekannt, insbesondere mit seiner Apfellimonade „Manzana Postobón“ (dt.: Apfel Postobón) sowie der lateinamerikanischen „Colombiana“, eine Art Cola-Cocktail. Wie vieles in Kolumbien sind beide Getränke sehr süß und schmecken unwahrscheinlich künstlich, können jedoch eisgekühlt auch erfrischend sein.

3) Salpicón de Frutas

An fast jedem Straßenstand erhältlich - Salpicón de frutas (links)

Oftmals an Marktständen erhältlich ist der sogenannte „Salpicón“, eine Art Fruchtcocktail. Hierbei werden einfach die Früchte, die gerade verfügbar sind kleingeschnitten (besonders oft habe ich Ananas, Apfel, Banane und Wassermelone gesehen) und Colombiana, vermischt. Alternativ, kann der Früchtemix auch mit Wassermelonensaft aufgegossen werden. Serviert wird Salpicóon sowohl als Saft als auch teilweise zusammen mit Eis als Nachtisch, welches ich jedoch nicht so oft gesehen habe. Für meinen Geschmack schmeckt Salpicón ein wenig künstlich, aber deswegen nicht minder lecker.

4) Limonada

Ein insbesondere in meiner Gastfamilie beliebtes Getränk zum Mittagessen ist „Limonada“, selbstgemachte Limonade aus Wasser, Limetten, und Panela. Panela ist ein aus Zuckerrohr hergestellte Süßungsmittel fester Konsistenz, welches in Kolumbien oft in Blöcken verkauft und zur Herstellung landestypischer Getränke und Nachspeisen verwendet wird. Zur Zubereitung wird hierfür eine kleiner Block Panela in kochendem Wasser aufgelöst und gemeinsam mit dem Saft der Limetten vermischt. Anschließens im Kühlschrank abgekühlt und mit Eiswürfeln gemischt, entsteht die kolumbianische Limonada, welche man auch öfters in kleinen Mittagsimbissen bestellen kann.

Insbesondere in den kälteren Bergregionen wird Panela auch zur Hestellung von „Aguapanela“ benutzt. Ich definiere Aguapanela immer als eine Art süßen, kolumbianischen Tee. Das Süßungmittel wird hierbei in kochendem Wasser aufgelöst, mit etwas Zitronensaft vermischt und als Heißgetränk und Energielieferant verzehrt.

5) Aguardiente

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Ob alt ob jung, ob weiblich oder männlich – jeder Kolumbianer kennt und trinkt (ob liebt weiß ich nicht;)) Aguardiente. Der klare Schnaps aus Anís und Zuckerrohr hat zirka 30 Volumenprozente und erinnert im Geschmack an Ouzo oder Raki. Da die Rechte am Brennen von Aguardiente in den Provinzen des Landes liegen, gibt es viele verschiedene Aguardiente-Marken, von denen mein perönlicher Favourit der Aguardiente Antioqueño ist, welcher inzwischen auch als Light- und Zuckerfrei-Version angeboten wird.

Süßes:

6) Obleas

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„Obleas“ sind eine Art Oblate, die gerne als Nachtisch oder Snack zwischendurch genascht werden. Ein Zuckerschock ist beim Verzehr jedoch quasi vorprogrammiert, da die Kolumbianer auch bei dieser Speise nicht auf ihren unermüdlichen Süß-Bedarf verzichten. Zwischen zwei runde, etwa Frühstücksteller große, Waffel-Oblaten wird hierbei gestrichen, was der Kunde wünscht – von Karamellcreme (arequipe), über gesüßte Kondensmilch und Schokolade bis hin zu Mamelade und Käse hat der Gast hier freie Wahl.

7) Bocadillos

Bocadillos sind meist quadratische oder rechteckige, schnittfeste Süßigkeiten aus Guavenpaste. Für ihre Zubereitung werden reife Guaven solange mit Zucker oder Panela gekocht, bis eine feste Masse entsteht, die im Anschluss in kleine Quader zerteilt wird. Die Konsistenz erinnert an umzuckertes Gelee und ist für meinen Geschmack zu süß, so als würde man Marmelade pur löffeln – den Kolumbianers gefällt es jedoch. Nicht selten habe ich mitbekommen, dass sich Schulkinder auf dem Rückweg vom Unterricht ein bocadillo kaufen ebenso wie Eltern ihren Lieblingen als Nachtisch. Da ich in der Provinz Santander gelebt habe, dem Ursprungsort des Desserts, kann es jedoch auch sein, dass bocadillos in anderen Regionen des Landes nicht ganz so verbreitet sind, wie ich es wahrgenommen habe.

Mahlzeiten:

8) Patacones

Patacones sind frittierte Kochbananen, die gerne als Beilage zu Mahlzeiten verzehrt werden. Entgegen der Annahme vieler Europäer handelt es sich hierbei nicht um eine süße, sondern eine salzige Beilage, welches auf den Unterschied zwischen den uns bekannten gelben Bananen und den grünen Kochbananen zurückzuführen ist. Kochbananen sind nicht für den rohen Verzehr geeignet, sondern werden ähnlich wie Kartoffeln zubereitet. „Kartoffel meets Banane“ habe ich gedacht, als ich zum ersten Mal Patacones probiert habe. Die Zubereitungsliste von Patacaones ist denkbar kurz: Lediglich (viel) Öl und grüne Kochbananen werden zwangsläufig verwendet, oftmals jedoch auch Wasser mit Kräutern und Salz. Nachdem die Patacones geschält und in kleine Stücke geschnitten werden, werden sie für zirka 10 Minuten in heißem Öl frittiert, anschließend zusammengedrückt und in einer Mixtur aus Wasser, Kräutern (besonders Koriander und Petersilie) und Salz gewendet bevor sie für weitere 2-3 Minuten ins heiße Öl gegeben werden.

9) Arepas

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Arepas selbst gemacht – ich versuche mich an der kolumbianischen Küche

Arepas sind runde Maisfladen, die zu jeder Tages- und Nachtzeit in Kolumbien verspeist werden. Während das Maismehlgericht zum Frühstück hauptsächlich mit Käse zubereitet wird, so kann man die Fladen zum Mittagessen oder Abendbrot ebenfalls mit Fleisch, Ei, Meeresfrüchten oder Gemüse füllen oder als Beilage zu Suppen oder Reis servieren. Auch wenn die Zubereitung der Fladen nicht viel Zeit in Anspruch nimmt, so habe ich es genossen, dass es Arepas nahezu an jeder Straßenecke zu kaufen gibt.

10) Bandeja Paisa

Die Bandeja Paisa ist ein Gericht aus der Region Antioquia in Kolumbien. Wer die Region kennt, weiß, dass hier die Landwirtschaft in den Bergen und Tälern die Haupteinnanmequelle eines Großteils der Bevölkerung ausmacht. Aus diesem Grund ist es nachvollziehbar, dass die Bandeja Paisa ein sehr deftiges Essen darstellt. Auf den Teller kommen neben dem obligatorischen Reis und Bohnen zudem ein Rindersteak, frittierter Schweinebauch, ein Würstchen, Spiegelei, Avocado und eine kleine Arepa als Beilage. Jeder, der einmal in die Region Antioquia kommt, sollte sich eine Bandeja Paisa nicht entgehen lassen – jedoch definitiv einige Stunden vorher nichts essen und bereits seinen Magen weiten:).

Die Liste typisch kolumbianischer Gerichte könnte hier ewig fortgeführt werden. Wenn ihr selbst auf ein Gericht gestoßen seid, welches ihr hier gern erklärt bekommen würdet oder über das ihr gerne berichten möchtet, dann lasst es mich wissen:).

 

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